Mit dabei waren Rainer und Astrid, Anett, Marcel, Fabian, Sammy und Jan. Unser Ziel: die Gegend rund um den Rosengarten erkunden, Gipfel erklimmen, schöne Klettertouren erleben und natürlich gemeinsam eine gute Zeit verbringen. Dass dabei nicht jeder Plan aufging, ein Rucksack Federn lassen musste und manche Knie die Woche etwas anders in Erinnerung behalten würden als ihre Besitzer, gehört zur Geschichte dazu.
Tag 1 – Anreise, Seilbahn und Vorfreude
Am 20. September traf sich die Gruppe gegen Mittag in Welschnofen. Während andere Menschen ihren Urlaub vielleicht mit einem entspannten Cappuccino beginnen, ging es für uns erst einmal mit der Seilbahn hinauf zur Kölner Hütte. Von dort führte der Weg über das Tschager Joch zur Vajolethütte, unserem ersten Stützpunkt für die kommenden Tage.
Die Landschaft ließ schon beim Zustieg keinen Zweifel daran, dass wir in den Dolomiten angekommen waren. Mächtige Felswände ragten in den Himmel, schmale Wege führten durch die beeindruckende Bergwelt und die Vorfreude auf die geplanten Touren wuchs mit jedem Höhenmeter.
An der Vajolethütte angekommen, wurden die Lager bezogen, die ersten Getränke geöffnet und die Tourenplanung für den nächsten Tag in Angriff genommen. Die Stimmung war bestens, die Motivation hoch und die Gipfelziele klangen machbar.
Noch ahnte niemand, dass sich die Dolomiten in den nächsten Tagen als ziemlich konsequenter Prüfungsleiter in Sachen Klettertechnik, Kälteresistenz und Entscheidungsfreude erweisen würden.
Tag 2 – Kesselkogel: Gipfelglück mit Folgen
Am 21. September stand die Überschreitung des Kesselkogels von Ost nach West auf dem Programm. Der Zustieg führte uns über die Cima Scalieret hinauf in die faszinierende Felslandschaft des Rosengartens.
Und was sollen wir sagen? Dieser Tag lieferte genau das, weswegen man in die Berge fährt: beeindruckende Ausblicke, luftige Passagen und Tiefblicke, bei denen man sich durchaus überlegen durfte, ob man wirklich bis ganz nach unten schauen möchte.
Die Kesselkogelüberschreitung bot alles, was das alpine Herz begehrt. Wir bewegten uns durch eine großartige Bergkulisse und konnten die Dolomiten von ihrer schönsten Seite erleben. Ein rundum gelungener Tourentag!
Der Abstieg führte uns über die Grasleitenpasshütte zurück. Allerdings zeigte sich dabei, dass auch die schönsten Bergtouren ihren Preis haben können. Die Knie mussten einiges aushalten und meldeten sich teilweise recht deutlich zu Wort.
Man könnte sagen: Der Kesselkogel war bezwungen, aber die Knie hatten eine eigene Meinung zum Tourenprogramm.
Trotzdem blieb am Ende vor allem die Erinnerung an einen fantastischen Tag in den Bergen.
Tag 3 – Punta Emma: Drei Seilschaften, drei Versuche und ein unsichtbarer Klettergarten
Für den 22. September hatten wir uns die Punta Emma über den Piazriss vorgenommen. Die Route mit dem Schwierigkeitsgrad V− UIAA versprach eine spannende Kletterei. Wir teilten uns in drei Seilschaften auf und machten uns voller Tatendrang auf den Weg.
Die Dolomiten hatten allerdings offenbar beschlossen, uns an diesem Tag etwas genauer auf die Probe zu stellen.
Die erste Seilschaft musste bereits in der ersten Seillänge abbrechen. Der Grund: Kälte. Wenn sich die Finger eher wie tiefgekühlte Bratwürste anfühlen als wie präzise Kletterwerkzeuge, macht selbst der schönste Fels nur bedingt Freude.
Die zweite Seilschaft hielt immerhin bis zur zweiten Seillänge durch. Dann machte die Ausgesetztheit deutlich, dass man nicht jede Passage allein mit Optimismus und guten Vorsätzen überwinden kann.
Die dritte Seilschaft kämpfte sich bis in die dritte Seillänge vor. Dort war schließlich klar: Heute passt es einfach nicht. Zu schwer, zu kalt oder schlicht nicht der richtige Tag für diese Route.
Damit war die Punta Emma zunächst einmal aus dem Rennen. Aber wer glaubt, dass wir uns davon die Laune verderben ließen, kennt die DAVler schlecht.
Für eine besonders erfreuliche Überraschung sorgte die zufällige Begegnung mit Daniel und Christin aus Magdeburg. Die beiden waren ebenfalls in der Gegend unterwegs. An dieser Stelle gehen natürlich herzliche Grüße an euch!
Und dann gab es noch eine Entdeckung, die uns ein wenig an unserer Wahrnehmung zweifeln ließ: Direkt neben der Vajolethütte befindet sich ein Klettergarten.
Ja, richtig gelesen. Ein Klettergarten. Direkt neben der Hütte.
Wir waren am Vortag daran vorbeigelaufen, ohne ihn zu bemerken. Offenbar hatten wir den Blick so konsequent auf die großen Wände gerichtet, dass uns die Klettermöglichkeiten unmittelbar vor der Nase entgangen waren.
Am Nachmittag wurde der Klettergarten dann ausgiebig genutzt. So gab es doch noch Fels unter den Fingern und einen versöhnlichen Abschluss für einen Tag, an dem die großen Pläne etwas kleiner ausfielen.
Tag 4 – Hüttenwechsel, Klettertraining und ein Rucksack weniger im Neuzustand
Am 23. September stand der Umzug von der Vajolethütte zur Gartlhütte an. Mit dem Hüttenwechsel wurde auch das Tagesprogramm neu sortiert.
Ein Teil der Gruppe nutzte den Vormittag erneut für den Klettergarten. Auf dem Programm standen neben dem Klettern auch Standplatzbau und das Sichern vom Fixpunkt. Schließlich soll eine solche Woche nicht nur schöne Erinnerungen, sondern im besten Fall auch ein paar neue Erkenntnisse für die nächste Tour bringen.
Zwei Gruppenmitglieder entschieden sich für eine andere Form der alpinen Weiterbildung: Sie gingen direkt zur Gartlhütte und gönnten sich Kaffee und heiße Schokolade.
Auch das ist schließlich eine wichtige Fähigkeit im Gebirge: zu erkennen, wann die beste Route direkt zum warmen Getränk führt.
Währenddessen wollten Rainer und Jan dem Piazriss noch eine zweite Chance geben. Nachdem der erste Versuch am Vortag nicht geklappt hatte, sollte es diesmal besser laufen.
Und tatsächlich: Der Piazriss wurde erfolgreich geklettert!
Ganz geschenkt wurde uns die Route allerdings nicht. Besonders die Schlüsselseillänge erwies sich als ordentlich abgespeckt. Für den angegebenen Schwierigkeitsgrad V− war hier einiges an Konzentration und Kletterkönnen gefragt.
Danach wartete ein ausgesprochen enger Kamin. Eng ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen. Wer sich mit Rucksack in solche Felsritzen begibt, sollte vorher prüfen, ob das Gepäck wirklich die passenden Maße hat.
(M)ein Rucksack bestand diese Prüfung leider nicht.
Mit einem deutlich sichtbaren Riss in seiner Hülle musste er die weitere Tour antreten. Der Fels hatte gewonnen, der Rucksack verloren. Immerhin war damit klar, dass nicht nur die Kletterer Spuren aus den Dolomiten mit nach Hause nehmen würden.
Nach dem Kamin folgte schließlich genussvolle Kletterei bis zum vierten Grad. Der Abstieg hielt mit zwei Abseilstellen noch einmal etwas Spannung bereit, bevor die beiden den Klettertag erfolgreich beenden konnten.
Am Abend traf sich die gesamte Gruppe auf der Gartlhütte wieder. Und hier wartete die nächste Überraschung: Im Vergleich zur Vajolethütte präsentierte sich die neue Unterkunft deutlich luxuriöser.
Nach den bisherigen Tagen fühlte sich das beinahe wie ein kleines alpines Wellnessprogramm an. Nur die Sauna fehlte noch.
Tag 5 – Die Delagokante und die Sache mit den zwei Grad
Am 24. September sollte ein weiterer Klassiker auf dem Programm stehen: die Delagokante im Schwierigkeitsgrad IV+.
Die Vorfreude war groß. Die Kante ist bekannt für ihre eindrucksvolle Linienführung und die besondere Kletterei inmitten der Dolomitenkulisse. Eigentlich ideale Voraussetzungen für einen weiteren Höhepunkt unserer Tour.
Eigentlich.
Denn das Wetter hatte andere Pläne.
Das Thermometer zeigte gerade einmal zwei Grad Celsius. Dazu kam ein eisiger Wind, der an der Kante sein Bestes gab, um uns daran zu erinnern, dass Ende September nicht unbedingt die ideale Zeit für lange Kletterpausen in luftiger Höhe ist.
Trotzdem machten wir uns an die Route. Doch spätestens an der Schlüsselseillänge im oberen vierten Grad wurde deutlich, dass die Bedingungen heute einfach nicht passten.
Die Entscheidung fiel: Abbruch.
Natürlich wäre es schön gewesen, die Delagokante erfolgreich zu klettern. Aber am Berg gehört es genauso dazu, rechtzeitig umzukehren, wie sich auf den Weg zu machen. Und bei zwei Grad, eisigem Wind und zunehmend kalten Fingern muss man sich nicht unbedingt beweisen, dass man auch ohne Gefühl in den Händen klettern kann.
So verbrachten wir den restlichen Tag deutlich entspannter auf der Hütte und bei kleinen Spaziergängen in der Umgebung.
Manchmal ist eben nicht der Gipfel das Ziel, sondern die warme Stube. Und eine heiße Schokolade kann durchaus eine ernst zu nehmende Alternative zur nächsten Seillänge sein.
Tag 6 – Abschied von den Dolomiten
Am 25. September hieß es schließlich Abschied nehmen.
Von der Gartlhütte stiegen wir über den Santnerpass-Klettersteig zur Kölner Hütte ab. Noch einmal konnten wir die beeindruckende Landschaft genießen, bevor uns die Seilbahn zurück ins Tal brachte.
Damit endete unser alpiner Teil der Reise. Ganz ohne Zwischenstopps wollten wir die Heimfahrt allerdings nicht antreten. Schließlich hatten wir noch ein wenig Zeit und einige hungrige Mägen im Gepäck.
Also legten wir auf dem Rückweg einen Zwischenstopp in Bozen ein, bevor wir später in Garmisch gemeinsam zu Abend aßen.
Danach ging es endgültig zurück nach Magdeburg. Im Gepäck: zahlreiche Eindrücke, schöne gemeinsame Erlebnisse, ein paar müde Knie und mindestens ein Rucksack, der künftig vermutlich etwas mehr Respekt vor engen Kaminen haben wird.
Unser Fazit: Dolomiten? Jederzeit wieder!
Sechs Tage Dolomiten liegen hinter uns. Wir haben Gipfel überschritten, Kletterrouten ausprobiert, neue Erfahrungen gesammelt und festgestellt, dass man auch dann eine großartige Zeit haben kann, wenn nicht jeder Tourenplan aufgeht.
Die Kesselkogelüberschreitung bleibt mit ihren fantastischen Aus- und Tiefblicken in Erinnerung. Der zweite Anlauf am Piazriss war ein voller Erfolg – wenn man vom beschädigten Rucksack einmal absieht. Und auch die gescheiterten Versuche an Punta Emma und Delagokante waren wertvolle Erfahrungen, die uns daran erinnert haben, dass alpine Touren nicht nur von Können und Motivation, sondern auch von den Bedingungen leben.
Besonders schön war die gemeinsame Zeit als Gruppe. Ob beim Klettern, beim Tourenplanen, beim Hüttenabend oder bei Kaffee und heißer Schokolade: Der Spaß kam nie zu kurz.
Die Dolomiten haben uns jedenfalls nicht zum letzten Mal gesehen!
Beim nächsten Mal wollen wir etwas früher im Jahr starten. Die Hoffnung: wärmere Temperaturen, weniger eisiger Wind und Finger, die auch nach der ersten Seillänge noch wissen, was sie tun sollen.
Bis dahin bleiben uns die Erinnerungen an eine fantastische Bergwoche – und die Erkenntnis, dass man manchmal zwar ohne Gipfelerfolg, dafür aber mit einer guten Geschichte, einem kaputten Rucksack und einem breiten Grinsen nach Hause fährt.
Dolomiten, wir kommen wieder!
Jan Starke, Magdeburg Oktober 2026